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Automatisieren, was man hasst — nicht, was man kann

Der häufigste Fehler bei KI-Projekten: das Falsche automatisieren. So findest du den richtigen Startpunkt.

24. Juni 2026 Sabrina Garcia · Solutions & Delivery 7 Min. Lesezeit

Die meisten Automatisierungsprojekte scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an der Auswahl. Jemand fragt „was können wir automatisieren?", bekommt eine Liste, und ganz oben steht das, was technisch am bequemsten ist — weil es dafür schon eine Schnittstelle gibt.

Sechs Wochen später läuft eine saubere Automatisierung, die niemand vermisst, wenn sie ausfällt. Das ist kein technischer Fehler. Das ist ein Auswahlfehler, und er kostet mehr, weil er das Vertrauen für den nächsten Anlauf verbraucht.

Die falsche Frage und die richtige

Falsch: Was können wir automatisieren?
Richtig: Welche Arbeit machst du jede Woche, obwohl sie keinen Kopf braucht, und ärgerst dich jedes Mal darüber?

Die zweite Frage bringt schlechtere Antworten für eine Präsentation und deutlich bessere für den Betrieb. Sie führt zu Aufgaben, die klein, langweilig und unglaublich hartnäckig sind — genau dort liegt das Geld.

Die Methode: eine Woche, drei Spalten

Nimm ein Blatt. Führe eine Woche lang Buch über jede wiederkehrende Aufgabe. Drei Spalten:

  • Wie oft? Pro Tag, pro Woche, pro Monat.
  • Wie lang? Ehrlich, inklusive Wiedereinfinden. Eine Aufgabe von fünf Minuten, die dich aus der Arbeit reisst, kostet fünfzehn.
  • Wie sehr nervt es? Skala eins bis fünf. Ja, wirklich.

Dann multiplizierst du: Häufigkeit × Dauer × Widerwille. Sortiere absteigend. Die oberen drei sind deine Kandidaten.

Warum „nervt" in der Formel steht

Das ist der Teil, den Berater gerne streichen, weil er unseriös aussieht. Er ist der wichtigste. Widerwille sagt voraus, ob die Änderung hält.

Eine Automatisierung, die zwanzig Minuten spart, die niemandem wehgetan haben, wird am dritten Tag umgangen — weil der alte Weg vertraut ist und der Leidensdruck fehlt. Eine Automatisierung, die eine verhasste Aufgabe abnimmt, verteidigen die Leute gegen dich, wenn du sie abschalten willst. Nur das Zweite ist eine Veränderung, die bleibt.

Was manuell bleiben sollte

Vier Filter. Wenn einer zutrifft, lass die Finger davon — vorerst:

  • Selten. Dreimal im Jahr rechtfertigt keinen Aufbau und keine Wartung. Und du merkst nie, wenn es kaputtgeht, weil du elf Monate lang nicht hinschaust.
  • Teuer, wenn es falsch läuft. Zahlungen auslösen, Verträge kündigen, Daten löschen. Hier gehört ein Mensch dazwischen — nicht weil die Maschine schlechter wäre, sondern weil der Schaden asymmetrisch ist.
  • Das ist dein Produkt. Wofür Kunden dich bezahlen, gehört dir. Ein Treuhänder automatisiert die Terminvereinbarung, nicht die Beurteilung.
  • Du kannst die Regel nicht aufschreiben. Das ist der wichtigste Filter. Wenn niemand in zwei Sätzen sagen kann, wann welcher Fall wie behandelt wird, ist das kein Technikproblem. Das ist ein Prozessproblem, und Automatisierung macht es schneller sichtbar, nicht kleiner.
Der unbequeme Teil

Manchmal lautet die ehrliche Antwort: noch nichts. Ein Ablauf, über den sich drei Leute uneinig sind, wird durch Automatisierung nicht klarer — er wird nur schneller falsch. Dann ist der erste Schritt eine Entscheidung, kein Werkzeug. Das ist die unbeliebteste Auskunft in diesem Geschäft und gelegentlich die einzige richtige.

Typische Kandidaten in einem Schweizer Büro

Damit es nicht abstrakt bleibt — das ist die Sorte Aufgabe, die in fast jeder Liste oben landet:

  • Rechnungen aus dem Postfach in die Buchhaltung übertragen
  • Termine bestätigen, erinnern, verschieben
  • Offerten aus Vorlagen zusammensetzen und nachfassen
  • Stundenrapporte einsammeln, die niemand freiwillig abgibt
  • Anfragen einsortieren, die immer dieselben fünf Kategorien haben

Keine davon ist spektakulär. Alle fünf zusammen sind bei zwölf Mitarbeitenden schnell ein Tag pro Woche.

Der Startpunkt ist absichtlich klein

Nimm die oberste Aufgabe deiner Liste. Eine. Bau sie, lass sie zwei Wochen laufen, miss den Unterschied. Erst dann die zweite.

Das ist langsamer als ein grosser Wurf und deutlich zuverlässiger, weil du nach zwei Wochen zwei Dinge hast, die du vorher nicht hattest: einen Beweis und eine Mannschaft, die dem nächsten Schritt zutraut, dass er funktioniert.

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